Freitag, 24. Oktober 2008

Traveller

Es ist schon einige Zeit her, da traf ich im Prince John Tauchresort einen seltsamen jungen Deutschen. Er sprach von sich selber nur als Traveler und er travelte schon ein ganze Weile. Drüben auf Java oder Lombok gäbe es auch jede Menge coole Traveler mit denen man cool chillen könne, das ganze natürlich in Backpackers. Er brachte förmlich keinen Satz heraus ohne einen absolut eloquent klingenden Anglizismus einzufügen. Den Vogel schoss er aber ab, als er sich an den Strand legte und die Sonnenuntergansidylle mit der lautstarken Beschallung seines Handys verzierte, womit er sich ganz in das Herz der „normalen“ Urlauber dort schloss.
Wer glaubt dies sei ein Einzelfall, der irrt. In dem Black Marlin Tauchresort auf den Togean Islands durfte ich nun, mehrere Exemplare dieser seltenen Gattung von
Touristen erleben.


Daraus ergab sich folgende Verhaltensstudie:

Der typische Traveler unterscheidet sich vom herkömmlichen Reisenden in der Reisedauer, den Reiserouten, dem Kommentkampf, der Adaption an örtliche Gegebenheiten sowie vor allem dem Willen, sich von üblichen Reisenden zu unterscheiden.

Während der normal Tourist (sagen wir einmal Tauchtourist) nur zwei bis vier Wochen bleibt, reist der Traveler einen bis 12 Monate. Am deutlichsten unterscheiden sich hierbei die Einmonatstraveller von den Vierwochentouristen. Fragt man ein beliebiges Exemplar, ob es hier fern von der Heimat auf Urlaub ist, wird dies stolz verneint. Man betreibt „Traveling“. Dieses ist jene faszinierende Sportart, bei der man so schnell wie möglich alle Gegenden die im Lonly Planet beschrieben wurden gesehen haben muss, um sich allabendlich in den im Lonly Planet empfohlenen Resorts zu treffen. Hier kann man auf die lästigen Einheimischen verzichten und man findet Gleichgesinnte. Zusammen bei jeder Menge Bier uns Musik ist man unter sich. So ist es ja schließlich doch am Schönsten.
Bei diesen Aggregationen verschiedener Individuen, tauscht man zumeist die Reise….äh…Travelingstorys. Jene Traveler, die die meisten Orte besichtigt haben und von überall was erzählen können (hierbei hilft es auch den Lonly Planet geschickterweise auswendig zu lernen) genießen das größte Ansehen unter den Artgenossen. Dabei scheint es absolut unerheblich, wie lange man diese Orte besichtigt hat. Fünf Minuten und ein Bild aus dem Bus reichen genau so viel wie 5 Wochen. Schließlich ist man ja unterwegs und will reisen…..äh…traveln. Wichtig dabei ist, sich immer an die Vorschläge des Reiseführers zu halten, schließlich will man ja die ganzen Geheimtipps kennen. Ab und an kommt ein Traveler vom Weg ab und gerät unvorhergesehen unter die Einheimischen. Hier fühlt er sich zwar nicht sonderlich wohl, aber er kommt zurecht. Schließlich hat er ja eine ganze Packung Laryam (Malariavorsorge) gegessen, trinkt kein Wasser (wozu gibt es Bier?) und isst kein Gemüse. Findet er später wieder zurück in die vertrauten Gefilde eines Travelertings, genießt er doppelt hohes Ansehen, da er die Wildnis erlebt hat. Und schon bald werden sich ganze Gruppen geschlossen aufmachen um dieses von Entbehrungen geprägte Abenteuer, allein da draußen, auch zu erleben.
Wichtig für die soziale Rangordnung unter den Travelern ist auch der Sprachwettbewerb. Dieser tritt auf, wenn sich mehrere Traveller mit gleich großen Aktionsradius aufeinander treffen. Kann der Traveller seinen Kontrahenten nicht mit der Aufzählung gesehnen Reisezielen beeindrucken, so greift er zu seinen Sprachkenntnissen. Als Sieger geht hier derjenige hervor, der von den meisten Sprachen ein paar Brocken beherrscht. Am Wichtigsten sind hier die essenziellen Worte „ja“, „nein“, „danke“ und „Bier“. Diese bringt man in dem Resort auch großzügig zum Einsatz. Verschönert wird die ganz Atmosphäre dann noch durch europäische Musik, welche aus den unentbehrlichen iPods (natürlich das neuste Modell) oder den Mac-Notebooks dröhnen, welche auch in keiner Travellerausrüstung fehlen sollten. (Vor allem in ärmeren Ländern haben sich diese bewährt, um vor den Augen der Eingeborenen ein gewisses Niveau zu halten.)

Fazit:
Der typische Traveller ist ein wandelndes Paradoxon. Er sucht er die Abenteuer, weitab von der Zivilisation, geht aber nur dorthin, wo er entweder andere Traveller trifft, oder er geht gleich in grossen Gruppen los. Die technisierte Welt, die er eigentlich verlassen will schleppt er sie immer und überall mit sich herum und schafft sich ein Umfeld wie zu Hause (dort ist es ja auch am Schönsten).

Selbstreflektion:
Glücklicher Weise lege ich großen Wert darauf mich von den normalen Travellern zu unterscheiden. Andererseits bin ich auch kein Tourist, sondern eher ein Angepasster Emmigrant. Da ich die Zusammenrottung von Travellern und Touristen so wenig leiden mag, suche ich sie regelmäßig auf, trinke Bier und übertrumpfe noch jeden Traveller mit meinen Geschichten, mit dem indonesischen Personal rede dabei ich ausschließlich in der Landessprache auch wenn es englisch oder deutsch vesteht. So kann ich Indonesier wie auch Traveler beindrucken. Letztendlich habe ich ja einen Ruf zu verlieren. In meinen Haus mag ich auf den meisten europäischen Luxus nicht verzichten…..man macht es sich eben so schön wie zu Hause.

Bleibt nur die Frage:
Was mache ich, wenn ich in einer Woche meine Zelte abbreche und nach Deutschland zurück fahre? Ich weiß…..dann wird ich einfach Traveller!

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Airlines

Nach einer vollendeten Konferenz im schlimmsten Touristenviertel von Denpasar/Bali wollten mein Kollege Bernhard und ich nach Palu/Sulawesi übersetzen. Die derzeit einzige Flugverbindung geht mit der Airline „Garuda“ nach Makassar. Von dort wollten wir mit „Wings“ weiter nach Palu. Normalerweise bereitet die Airline „Wings“, die immer noch alte Maschinen von Douglas fliegen („Werden die immer noch gebaut?“ Zitat: Firefly (Joss Wedon)) das größer Unbehagen. Runtergekommen sind sie bisher alle!

Garuda hingegen steht im Ruf die größte und Zuverlässigste Airline zu sein. Sie flog bis vor kurzen sogar nach Frankfurt, bis dort die Sicherheitsbestimmungen für ausländische Airlines verstärkt wurden.

Garuda ist ein Name mit Tradition, besonders für eine Airline beeindruckend. Der Name entstammt ursprünglich der Ramayanasage.


Hier die Kurzfassung:

Ramayanas junge Geliebte wurde vom Oberbösen gekidnapt. Die dumme Gans den sicheren Schutzkreis verlassen um das zuckersüße Kitz (der verwandelte Bösewicht) zu streicheln. Ramayana will nun sein Mädel unbedingt wieder haben. (Ich frage mich zu diesem Zeitpunkt immer, wie sich sein Volk evolutionär entwickelt hätte, wenn er hier beschlossen hätte eine klügere Frau zu nehmen?) Da er den Oberbösen nicht besiegen kann ruft er Garuda. Nach kurzen hin und her bringt dieser auf seinem Rücken den weißen Affenkönig, der in bester Actionfilmmanier die Bösen besiegt, die Tussi rettet und den Palast des bösen Abfackelt. Happy End!


Dieses Stück wurde auch auf der Bühne vor dem Swimmingpool in unserem überteuerten Tagungshotel aufgeführt. Garuda hatte einen beeindruckenden Auftritt. Er flog förmlich über die Bühne. Kritische Stimmen aus dem Publikum meinten jedoch, dass er eigentlich jetzt ins Wasser stürzen und 200 Passagiere mit in den Tod reißen müsste. Aber es war wohl eher doch kein Kabarett und d

er Schauspieler war zuverlässiger als die Airline.

Zurück zum Flieger, in welchem Bernhard und ich saßen. Wir standen schon auf dem Rollfeld, als mir auffiel, dass mein Taschenmesser mit der 10 cm Springklinge sich versehentlich noch im Handgepäck befindet. (Ich muss an den zwei Kontrollen einfach Glück gehabt haben.) Was solls? Mental bereiteten wir uns gerade auf den Start vor, als…nichts dergleichen passierte.

Kurz darauf folgte die Ansage, es gäbe technische Probleme und wir müssten einfach etwas warten. Also stiegen wir aus und gammelten im Flughafengebäude herum. „In zehn Minuten ist sicher alles repariert, hier haben sie zwei Essensgutscheine, kommen sie nachher wieder.“ N

ach einer Stunde (die insgesamt drei mal 10 Minuten dauerte), gestand man uns endlich, dass der Flug nicht vor 13 Uhr abheben würde. Damit war es Unmöglich unseren Anschlussflug in Makassar zu bekommen. Also gingen wir spontan ins Management von Garuda und fragten nach. Wir boten an in Dempasar zu bleiben und erst später, wenn wir eine neue Verbindung hätten wieder im Flughafen aufzutauchen (Ich hatte mich erfolgreich am Surfen versucht und sogleich meine erste große Welle gestanden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich sowieso jedem der sie nicht hören will erzählen werde.), aber davo

n wollte man nichts wissen. Alles kein Problem. Wir könnten einfach die nächste Verbindung nehmen.

Mit etwas Unbehagen und nachdem mein Taschenmesser und ich die Sicherheitskontrollen sieben weitere Male passiert hatten, stiegen wir ins Flugzeug. In diesen Momenten hoffe ich immer, dass sie nicht nur Kaugummi zum Reparieren genommen haben. Das Sicherheitsballet, der hübschen Stewardessen beruhigte mich kein Bisschen. Mal ehrlich, von wie vielen erfolgreichen Notwasserungen haben Sie bisher gehört? Und wie viele davon fanden auf Festland statt?

Nach einer Stunde Flug landeten wir erfolgreich in Makassar. Ich war drauf und dran dem Piloten dafür zu applaudieren, konnte mich aber im letzen Moment

noch zusammenreißen. In dem niegelnagelneuen internationalen Terminal schlief uns erstmal das Gesicht ein. Wir hätten es besser wissen müssen. Der Flug war weg und der nächste voll Ausgebucht. Also warteten wir ein paar Stunden und hofften das Personal sucht eine Lösung. Aber alles was sie herausfanden war, dass es keine Plätze mehr für die nächsten drei Tage gebe. Wir könnten aber im Standby auf dem Flughafen bleiben und vielleicht nachrutschen. Das war der Moment, wo uns endgültig der Kragen platzte. Unverzüglich stellten wir, ein Ultimatum auf den Erhalt eines Tickets für den morgigen Tag bis 17 Uhr, oder sie würden uns den Rückflug nach Denpasar um 17.30 Uhr bezahlen müssen. Der Wechsel uns

erer Verhandlungspolitik zeigte schlagartig Erfolge. Irgendwie schaffte es ein Angestellter der Fluglinie zwei Tickets aufzutreiben und die beiden Bullehs (Bleichgesichter) waren beruhigt. Jedenfalls solange bis wir um 19 Uhr immer noch im Flughafen standen und sich niemand um ein Hotel kümmerte. Wir wurden wie schon den ganzen Tag auf nachher vertröstet. Inzwischen hatte eine indonesische Kollegin, der wir von unseren Erfahrungen berichtet hatten, auch mit der Faust auf den Tisch gehauen und war Minuten später in Besitz eines Tickets. Alle anderen Passagiere mit dem gleichen Schicksal warteten immer noch geduldig. Warum muss man immer erst wütend werden?

Um 20 Uhr betraten wir endlich ein Hotel. Die meisten Indonesier beeilten sich und drängelten sich nach typisch indonesischer Art vor. Zum Glück. Ich hatte das Gebäude kaum betreten, da war mir schon klar, Hier bleib ich nicht! Nach kurzer Diskussion mit dem Fluggesellschaftmitarbeiter, wurden wir, sowie unsere indonesischer Kollegin wieder an den Flughafen gefahren, wo wir eine weitere halbe Stunde warteten. Kurz nach 21 Uhr wurden wir dann im neusten und teuersten fünf Sterne Hotel der Stadt eingecheckt, bekamen ein Abendessen und Frühstückgutscheine. Na bitte es geht doch. Warum muss man immer erst wütend werden?

Als ich, nach einer entspannenden heißen Dusche, im Aufzug zum Abendessen hinab fuhr, traf ich dort ein paar andere europäische Touristen. Sie waren mit mir im verspäteten Flieger gewesen. Was machten sie schon hier? Nach einem kurzen Gespräch fand ich heraus, dass sie schon seit 3 Uhr da waren und man hatte ihnen auch ihre Tickets für den Weiterflug gebracht.

Verdammt!

Warum kann ich immer meine Klappe nicht halten?

Sonntag, 12. Oktober 2008

Bali - Fortsetzung


...
Bali ist voller Kultur und voller Touristen. Zu vermuten, dass hier eine Korrelation besteht, ist, als würde man noch an den Weihnachtsmann glauben. Die Touristen kommen nach Bali wegen den Stränden und den Wellen. Zumindest von den Surfern kann man das behaupten. Einige bleiben als Aussteiger. Doch das Business im Kampf um die Touristen ist hart und schon bald stellen die Aussteiger fest, dass sie sich eben jenen Touristen anbiedern müssen, aus deren System sie aussteigen wollten. Nur wenige schaffen es. Die Zwänge und Netzwerke die man hier pflegen muss, will man denn Geld verdienen sind um ein vielfaches höher als in Deutschland. Nicht das das Leben in Bali nicht angenehm wäre. Solange man Geld hat und nicht arbeiten muss, ist es so. Hat man nun alles Geld dort gelassen, sollte man besser wieder gehen. It´s all about the money.
Doch kehren wir zum ursprünglichen Thema zurück. Weswegen kommen die Touristen nach Bali? Die Antwort ist: Ausspannen, Leberintoxikation und Sex. In Bali wird vermutlich mehr Alkohol vernichtet als im restlichen Indonesien und Sex kann man hier in allen Formen erhalten. Klappst halt aufgrund körperlicher Unzulänglichkeiten nicht mit der hübschen Touristin, so stehen dutzende Balinesierinnen gerne zu Diensten. Die meisten verlangen Geld. Bei vielen reichen aber auch schon Versprechungen. Wer würde nicht alles tun wenn das güldene Leben im reichen Europa lockt?
Oder soll es ein Knabe sein? Kein Problem! Hier trifft man alles.

Leider!

Dienstag, 7. Oktober 2008

Bali


Es ist wie ein Heimkehren auf altbekannten Wegen. Nach dem Stress der vergangen Tage, jener welcher einem auf Dauer die Haare ausfallen lässt, lande ich endlich wieder in Indonesien. Schlagartig senkt sich die indonesische Gelassenheit über mich hherüger und bildet einen Schutzschild der Seele.
Während es in Deutschland hieß: Termine und Zeitdruck leiden, bis zu: Das muss noch fertig werden egal wie, heißt es in Indonesien: pelan pelan (langsam). Sich dagegen wehren zu wollen, ist vom Anfang an zum Scheitern verurteilt und macht sowieso keinen Sinn. Also passt man sich einfach an und erkennt die heilsame Wirkung dieser beiden kleinen Worte. Denn sie bedeuten nichts anders als: Einfach mal Durchatmen!
Das war noch in Denpasar am Flughafen. Ein Taxifahrer bietet mir sein Handy an und fährt mich, vollkommen ohne mich um den Fahrpreis zu bescheißen zu dem Hotel, welches ich über sein Handy von Oliver erfrage. Es ist Idul Fitri – höchster islamischer Feiertag. Das heißt Mohammeds Heerscharen auf Urlaub. Wie Treiberameisen fallen sie über die von den einheimischen Deutschen besiedelten Hotels her, vertreiben die ureingeborenen Australier von den Stränden und überfüllen in kürze die ganze Stadt. Oliver hat Stunden gebraucht dieses kleine aber niedliche Hotel zu finden. Da ich Indonesien kenne, fühle ich mich sofort wohl. Vermutlich würden deutsche Touristen hier nicht einziehen, was vermutlich zu diesem Wohlbefinden beiträgt...

...to be continued

Montag, 30. Juni 2008

Unterwegs

Damit ihr mal einen Eindruck davon bekommt im Regenwald unterwegs zu sein.

Link: sevenload.com

Freitag, 20. Juni 2008

Aufschwung Palu – Globalisierungserfolge

Es ist erstaunlich, wie schnell sich eine Stadt verändern kann. Das Palu, das ich kannte existiert bald nicht mehr. Die Stadt schraubt sich in mit Schwindel erregender Geschwindigkeit nach oben in der Spirale unserer globalisierten Welt.

Als ich wieder kam konnte ich ganze Straßenzüge nur schwer wieder erkennen. Gestrichene Häuserfassaden, neue Geschäfte mit Luxusartikeln und jede Menge Hotelrohbaue erwarteten mich. Selbst auf dem Weg in die entlegenen Dörfer wurde ich überrascht. Alle Hauptstraßen die aus Palu führen werden mit Mittelmarkierungen versehen. Eine gewaltige Investition, für ein Land in dem diese Markierungen nur kosmetischen Effekt haben.

Alle spüren den Druck der Globalisierung, alle Produkte des täglichen Bedarfs werden teuerer. Am härtesten trifft die einfachen Indonesier, die Erhöhung der wichtigsten beiden Grundbedürfnisse Reis und Benzin. Trotz immenser Subventionen mussten auch hier die Preise von 4.500 Rp. auf 6.000 Rp. pro Liter angehoben werden.

Trotz das sich alle Indonesier aufgrund dieser Erhöhungen beklagen, haben viele mehr Geld für Luxusartikel in der Tasche. Und hat man es nicht, so hilft sich der Mittelstand mit der Aufnahme eines Kleinkredits.

Und wofür gibt man das Geld letztendlich aus? Ganz einfach: teuere Handys, Computer und sportliche und vor allem große Motorräder. Nicht, dass ich gerade letzteres nicht verstehen könnte, so staune ich wie sich das Straßenbild in den letzten Jahren so ändern konnte, dass einstige „Luxusmotorräder“ jetzt normal verbreitete Mittelklasse sind. Die Oberklasse fährt Luxuskarossen, die auch in Deutschland ab 50.000€ aufwärts kosten. Ich habe sogar eine BMW-Niederlassung in Palu finden können.

Ja, so seltsam ist die Welt. Auf der einen Seite denken unsere Assistenten wir sind reich, aber auf der anderen Seite beeindrucken sie mich wirklich mit ihren Handys, die durchweg, ein Vielfaches von meinem gekostet haben. Und ich weiß was sie verdienen, schließlich bezahle ich sie.

Das Silae Beach, ein Restaurant von durchaus europäischen Standart, der sich vor allem in den Preisen bemerkbar macht, baut schon seit einem Jahr an einem Hotel, welches nun fast fertig gestellt ist. Eine Suite umfasste eine halbe Etage, mit voll verglaster Fassade für sich allein. Dies Garantiert einen Panoramablick auf den blauen Pool und die braune Bucht von Palu. Eine gigantische Klimaanlage garantiert, dass sich die Sonne bei so einer Fensterfläche nicht negativ auswirkt. Ich habe gefragt. Die Preise für eine Nacht in diesem Hotel sollen bei 1 Mio. Rp. pro Nacht liegen. Dem Monatsgehalt meines Assistenten. Palu bereitet sich anscheinend auf den Tourismus vor. Unweit vom Silea Beach habe ich einen neuen Jetskiverleih gefunden, welcher bestimmt ein Renner für die benachbarte Apotheke werden wird, wenn sie Antibiotika an die ins braune Wasser gefallenen Touristen verkauft. Eine weitere Attraktion ist ein Verleih von Crossmotorrädern für die hiesige durchaus anspruchsvolle Crossstrecke, welche sich manchmal jedoch nur durch die nicht vorhandene weiße Markierung von einer normalen Straße unterscheidet. Aber auch daran wird gebaut. Überall stopft man Schlaglöcher mit Teer, Steinen oder einer kleinen Fahne die in die Mitte gesteckt wird. Die Straßen werden sicherer. In den Bergen gräbt man mit schwerem Gerät den Hang ab, um sich vor Erdrutschen zu schützen. Leider wird die Arbeit von andauernden Erdrutschen behindert.

Ein weiter durchaus nicht unangenehmer Effekt des Booms sind die vielen Englischkurse die überall angeboten werden. Leider bieten diese Kurse gleichzeitig nicht genügend dressierte Ausländer mit denen man sich auf Englisch unterhalten kann, weswegen gerne in den Straßen nach offensichtlichen Touristen Ausschau gehalten wird. Leider verrät mich trotz ausgiebiger Bräune mein Hautton. Oder ist es mein Bart? Auch meine vielen Beteuerungen auf Indonesisch retten mich nicht. Ich bin gern gesehenes Übungsobjekt.

Aufschwung Palu – und jeder will dabei sein. Eine allgemeine Motivation geht durch die Stadt. Auch mich packt es. Morgen kaufe ich mir einen Topf weiße Farbe und male mir dann eine Mittelmarkierung auf meine Einfahrt. Genau.

Sonntag, 15. Juni 2008

Bilder sagen mehr als Worte

Palu von oben

Palolotal

mitten im Regenwald

ein Bachlauf

Morgennebel im Palolotal