Sonntag, 15. Juni 2008

Arbeitstage

Zentral Sulawesi 18 Uhr: Kakaoplantage mitten im Lore Lindu National Park.
Regen.

„Warum tue ich mir das Alles nur an?“ Ein fingerstarker Rinnsaal ergießt sich konstant von meiner Hutkrempe. Egal. Ich bin nass bin in die Unterhose; trotz Regenkleidung. „Warum konnte ich auch nicht wo anders auf der Welt Arbeiten? In Afrika zum Beispiel. Da ist es warm! Aber nein es musste Regenwald sein!“

Es ist mal wieder einer dieser Tage. Arul, mein Assistent, schnauft gequält auf; der Edding, mit dem er die Proben, welche ich ihm reiche, markieren will, hat längst seinen Dienst quittiert. Ich weiß ja; ich habe vorhin darauf gedrängt, die zwei entlegensten Plantagen im Gebirge heute Abend noch zu besuchen, obwohl der Regen als wir 16 Uhr in unserem Quartier ankamen schon absehbar war.

Dunkel und nass. Das ist es jetzt. Im Finsteren rutschen wir unseren Weg mehr als das wir ihn gehen zurück ins Tal. Das es mir ins Gesicht regnet ist mir nun auch egal, als ich auf das Motorrad steige und zurück zu unserer Unterkunft fahre.

Ein kaltes Bad und einen heißen Kaffe später versuche ich für den Rest des Abends zu verdrängen, dass weder die Stiefel noch die Kleidung über die Nacht trocknen werden. Nach einer indonesischen Nacht, was in diesem Falle bedeutet, viel zu kurz, eine Lampe im Gesicht und auf einer immer noch viel zu harten Kokosmatratze, zeigt sich, dass ich recht behalten werde. Aber Kopi dulu (erstmal ein Kaffee). Und die Sachen werden nachher auch am Körper trocknen. Spätestens wenn es in der Mittagssonne heiß wird oder wir die schlammigen Pfade die Bergrücken raufkeuchen.

Viel haben wir heute noch vor. Alle Proben wollen in den 21 Kakaoplantagen (ok…nur noch 19 seit gestern Nacht) abgesammelt und innerhalb der nächsten zwei Tage im Labor bearbeitet werden, sonst verderben sie.

12 Uhr Mittag: Wir liegen aber durch unsere Vorarbeit gut in der Zeit. Wenn es nur nicht regnet! Sieben Plantagen sind schon geschafft mit den zwei von Gestern sind es neun. Also noch 10 to go. Das Mittagessen fällt aus, oder sagen wir es fällt uns vom Baum in den Schoß. In Form einer leckeren Jeruk (Zitrusfrucht), welche Arul mit einer Bambusstange vom Ast schlägt. Wir hocken uns indonesisch nebeneinander und teilen sie auf. Sie ist süß und saftig.

Nach sechs weiteren Plantagen geht die Uhr auf die 4 zu und ich kann, mag oder will eigentlich nicht mehr. Die letzen sechs Plantagen liegen auf der unteren Seite des Tales, an unserem Quartier vorbei. Aber noch es regnet nicht. Die feuchten Klamotten haben als wir an der Hütte ankommen längst das Regenwasser durch Schweiß ersetzt sonst hat sich an ihrem Zustand nichts geändert. Wir deponieren die bisherigen Proben und brechen zum Erstaunen der Wirte wieder auf. 6 to go. Und es regnet noch nicht.

Es geht wieder bergauf durch den Regenwald. Die Moppets haben wir vor dem Bach zurückgelassen. Ich filme den Aufstieg. Glücklicher Weise sieht man so nur meinen Assistenten und nicht mich. Mit jeder geschafften Plantage steigt der Grad der Erschöpfung umgekehrt proportional zur Motivation. Aber noch ist Licht am Horizont. Oder sagen wir: es verschwindet dahinter. Arul grinst mich an. Noch zwei Untersuchungsflächen abzugrasen und es regnet immer noch nicht. Wir können es schaffen.

In der nächsten Plantage fahren wir mit den Moppets ein und arbeiten im Licht unserer Scheinwerfer und einer Notfalltaschenlampe. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wo ein Weg ist, ist auch ein Moppet. Die Sonne ist längst untergegangen, als wir die letzte Plantage beenden. Es hat nicht geregnet. Also zurück zur Unterkunft!

Ein kaltes Bad und einen heißen Kaffee später, packen wir unsere Sachen. Die Wirte haben sich an das Staunen längst gewöhnt. Schließlich arbeiten, wir bei Regen und bis in die Nacht. Warum sollen wir nicht jetzt auch noch nach Palu zurückfahren. Wir sind erschöpft aber erfolgreich. Alle Plantagen innerhalb von 24 Stunden!

10 Uhr Nachts: Ankunft in Palu:

„Warum tue ich mir das Alles nur an?“

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„Weil ich mich ärgern würde es nicht zu tun! Wir sind die Größten!"

4 Kommentare:

Gomoi Gogrimson hat gesagt…

Ihr seid die Größten :)

Irgendwie werd ich schon fast ein wenig neidisch auf dich, wenn ich so lese was du so machst.

Ich wünsch dir noch alles Gute.
Wir sehen uns dann hoffentlich auf dem DF

Halligen hat gesagt…

Du machst das, weil du dabei aussehen kannst, die der jüngere und smartere Bruder von Indiana Jones.
Und damit wir Damenzimmer dann seuftzend vor deinem Blog sitzen...

*seuftz*

Elbische Grüße,
Halligen aka Calenlyra

Mescalito hat gesagt…

Hehe....genau! ;)
By the Way, Danke für das Kompliment. Ich will demnächst noch ein nettes Video veröffentlichen, aber zuvor benötige ich einen schnelleren Upload.

Halligen hat gesagt…

Hab das Video gesehen.
Sehr nett anzuschauen... die Maschine... ähm... auch.

;o)

Caly