Airlines
Nach einer vollendeten Konferenz im schlimmsten Touristenviertel von Denpasar/Bali wollten mein Kollege Bernhard und ich nach Palu/Sulawesi übersetzen. Die derzeit einzige Flugverbindung geht mit der Airline „Garuda“ nach Makassar. Von dort wollten wir mit „Wings“ weiter nach Palu. Normalerweise bereitet die Airline „Wings“, die immer noch alte Maschinen von Douglas fliegen („Werden die immer noch gebaut?“ Zitat: Firefly (Joss Wedon)) das größer Unbehagen. Runtergekommen sind sie bisher alle!
Garuda hingegen steht im Ruf die größte und Zuverlässigste Airline zu sein. Sie flog bis vor kurzen sogar nach Frankfurt, bis dort die Sicherheitsbestimmungen für ausländische Airlines verstärkt wurden.
Garuda ist ein Name mit Tradition, besonders für eine Airline beeindruckend. Der Name entstammt ursprünglich der Ramayanasage.
Ramayanas junge Geliebte wurde vom Oberbösen gekidnapt. Die dumme Gans den sicheren Schutzkreis verlassen um das zuckersüße Kitz (der verwandelte Bösewicht) zu streicheln. Ramayana will nun sein Mädel unbedingt wieder haben. (Ich frage mich zu diesem Zeitpunkt immer, wie sich sein Volk evolutionär entwickelt hätte, wenn er hier beschlossen hätte eine klügere Frau zu nehmen?) Da er den Oberbösen nicht besiegen kann ruft er Garuda. Nach kurzen hin und her bringt dieser auf seinem Rücken den weißen Affenkönig, der in bester Actionfilmmanier die Bösen besiegt, die Tussi rettet und den Palast des bösen Abfackelt. Happy End!
Dieses Stück wurde auch auf der Bühne vor dem Swimmingpool in unserem überteuerten Tagungshotel aufgeführt. Garuda hatte einen beeindruckenden Auftritt. Er flog förmlich über die Bühne. Kritische Stimmen aus dem Publikum meinten jedoch, dass er eigentlich jetzt ins Wasser stürzen und 200 Passagiere mit in den Tod reißen müsste. Aber es war wohl eher doch kein Kabarett und d
er Schauspieler war zuverlässiger als die Airline.
Zurück zum Flieger, in welchem Bernhard und ich saßen. Wir standen schon auf dem Rollfeld, als mir auffiel, dass mein Taschenmesser mit der 10 cm Springklinge sich versehentlich noch im Handgepäck befindet. (Ich muss an den zwei Kontrollen einfach Glück gehabt haben.) Was solls? Mental bereiteten wir uns gerade auf den Start vor, als…nichts dergleichen passierte.
Kurz darauf folgte die Ansage, es gäbe technische Probleme und wir müssten einfach etwas warten. Also stiegen wir aus und gammelten im Flughafengebäude herum. „In zehn Minuten ist sicher alles repariert, hier haben sie zwei Essensgutscheine, kommen sie nachher wieder.“ N
ach einer Stunde (die insgesamt drei mal 10 Minuten dauerte), gestand man uns endlich, dass der Flug nicht vor 13 Uhr abheben würde. Damit war es Unmöglich unseren Anschlussflug in Makassar zu bekommen. Also gingen wir spontan ins Management von Garuda und fragten nach. Wir boten an in Dempasar zu bleiben und erst später, wenn wir eine neue Verbindung hätten wieder im Flughafen aufzutauchen (Ich hatte mich erfolgreich am Surfen versucht und sogleich meine erste große Welle gestanden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich sowieso jedem der sie nicht hören will erzählen werde.), aber davo
n wollte man nichts wissen. Alles kein Problem. Wir könnten einfach die nächste Verbindung nehmen.
Mit etwas Unbehagen und nachdem mein Taschenmesser und ich die Sicherheitskontrollen sieben weitere Male passiert hatten, stiegen wir ins Flugzeug. In diesen Momenten hoffe ich immer, dass sie nicht nur Kaugummi zum Reparieren genommen haben. Das Sicherheitsballet, der hübschen Stewardessen beruhigte mich kein Bisschen. Mal ehrlich, von wie vielen erfolgreichen Notwasserungen haben Sie bisher gehört? Und wie viele davon fanden auf Festland statt?
Nach einer Stunde Flug landeten wir erfolgreich in Makassar. Ich war drauf und dran dem Piloten dafür zu applaudieren, konnte mich aber im letzen Moment
noch zusammenreißen. In dem niegelnagelneuen internationalen Terminal schlief uns erstmal das Gesicht ein. Wir hätten es besser wissen müssen. Der Flug war weg und der nächste voll Ausgebucht. Also warteten wir ein paar Stunden und hofften das Personal sucht eine Lösung. Aber alles was sie herausfanden war, dass es keine Plätze mehr für die nächsten drei Tage gebe. Wir könnten aber im Standby auf dem Flughafen bleiben und vielleicht nachrutschen. Das war der Moment, wo uns endgültig der Kragen platzte. Unverzüglich stellten wir, ein Ultimatum auf den Erhalt eines Tickets für den morgigen Tag bis 17 Uhr, oder sie würden uns den Rückflug nach Denpasar um 17.30 Uhr bezahlen müssen. Der Wechsel uns
erer Verhandlungspolitik zeigte schlagartig Erfolge. Irgendwie schaffte es ein Angestellter der Fluglinie zwei Tickets aufzutreiben und die beiden Bullehs (Bleichgesichter) waren beruhigt. Jedenfalls solange bis wir um 19 Uhr immer noch im Flughafen standen und sich niemand um ein Hotel kümmerte. Wir wurden wie schon den ganzen Tag auf nachher vertröstet. Inzwischen hatte eine indonesische Kollegin, der wir von unseren Erfahrungen berichtet hatten, auch mit der Faust auf den Tisch gehauen und war Minuten später in Besitz eines Tickets. Alle anderen Passagiere mit dem gleichen Schicksal warteten immer noch geduldig. Warum muss man immer erst wütend werden?
Um 20 Uhr betraten wir endlich ein Hotel. Die meisten Indonesier beeilten sich und drängelten sich nach typisch indonesischer Art vor. Zum Glück. Ich hatte das Gebäude kaum betreten, da war mir schon klar, Hier bleib ich nicht! Nach kurzer Diskussion mit dem Fluggesellschaftmitarbeiter, wurden wir, sowie unsere indonesischer Kollegin wieder an den Flughafen gefahren, wo wir eine weitere halbe Stunde warteten. Kurz nach 21 Uhr wurden wir dann im neusten und teuersten fünf Sterne Hotel der Stadt eingecheckt, bekamen ein Abendessen und Frühstückgutscheine. Na bitte es geht doch. Warum muss man immer erst wütend werden?
Als ich, nach einer entspannenden heißen Dusche, im Aufzug zum Abendessen hinab fuhr, traf ich dort ein paar andere europäische Touristen. Sie waren mit mir im verspäteten Flieger gewesen. Was machten sie schon hier? Nach einem kurzen Gespräch fand ich heraus, dass sie schon seit 3 Uhr da waren und man hatte ihnen auch ihre Tickets für den Weiterflug gebracht.
Verdammt!
Warum kann ich immer meine Klappe nicht halten?
4 Kommentare:
"Kritische Stimmen aus dem Publikum meinten jedoch, dass er eigentlich jetzt ins Wasser stürzen und 200 Passagiere mit in den Tod reißen müsste."
Makaber, makaber... aber gut *g*
Also ich weiß nicht, ob ich bei dem ganzen Flugzeug-Wartezeit-Ticket-Hotel Theater so ruhig geblieben wäre. Aber kaum zu glauben - ich bin auch schonmal mit einem Taschenmesser (zwar kein 10cm Klinge aber naja) durch deutsche Kontrollen gekommen bin. Vielleicht hättest du einfach nur damit das Flugzeug in deine Gewalt bringen sollen und direkt den richtigen Flughafen ansteuern lassen ;)
Bin gespannt was da noch kommt.
Und wann du mir die Story mit der Welle erzählst *gg*
hallo,
das ist jetzt etwas kompliziert aber ich habe deine website gefunden, weil mein freund (stefan) gerade in toro bei storma ist und sich dort von fledermäusen beißen läßt ;-). Ich müßte ihn etwas fragen, da er aber gerade erst in palu war schätze ich, dass er erst in frühestens 2 Wochen wieder zum internet kommt. Ist jetzt nix lebenswichtiges oder schlimmes... daher wollte ich dich fragen, ob du in nächster zeit mal nach toro kommst und ich dir eine nachricht für ihn "mitgeben" dürfte? das wär super nett ;)
alles liebe aus wien,
Jasmina nachrichten an: helllila@yahoo.de
ps. wenn du ihn siehst frag ihn doch mal zu unseren erlebnissen mit inlandflügen in ecuador, da gibts auch einiges zu erzählen, ganz wo anders aber ähnliche vorgehensweise ;-) jaja, da wird man schon mal fuchsteufelswild, v.a. ich ;-)
lg, Jasmina
Also, das mit dem Messer kann ich aufklären, die Kontrollen sind nicht mehr so schlimm und man kann mittlerweile Klingen bis zu 10 cm mit in den Flieger nehmen. Klappt sogar in Deutschland.
Gruß Martin
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